Verträge für Freelancer: Die 3 Klauseln, die dich wirklich schützen
Ich hab in meinem ersten Jahr genau einmal einen Kunden gehabt, der ein fertiges Projekt genutzt, aber die Rechnung monatelang nicht bezahlt hat. Was mich damals gerettet hat, war keine ausgefeilte AGB-Sammlung, sondern eine einzige Klausel in meinem Standardvertrag, die ich fast beiläufig eingebaut hatte. Hier sind die drei Klauseln, die sich für mich als tatsächlich relevant erwiesen haben, nicht die zwanzig, die in jedem Muster-Vertrag stehen, aber selten gebraucht werden.
1. Nutzungsrechte erst nach vollständiger Zahlung
Das war die Klausel, die mich bei dem Kunden von oben tatsächlich gerettet hat. In meinem Vertrag steht sinngemäß: die Nutzungsrechte am erstellten Werk (bei mir meistens Code oder Design) gehen erst mit vollständiger Bezahlung auf den Kunden über, nicht schon mit Ablieferung. Als die Rechnung monatelang offen blieb, konnte ich dem Kunden klarmachen, dass die Website, die ich gebaut hatte, formal noch nicht rechtmäßig genutzt werden durfte. Die Zahlung kam kurz darauf.
Ohne diese Klausel hätte ich nur die übliche zivilrechtliche Mahnung als Druckmittel gehabt, langsamer und unsicherer im Ausgang. Diese Klausel ist im Grunde ein Eigentumsvorbehalt, übertragen auf geistiges Eigentum, und sie kostet dich nichts, außer dass du sie in den Vertrag reinschreibst.
2. Klare Zahlungsbedingungen mit echten Konsequenzen
Nicht nur "Zahlung innerhalb von 14 Tagen", sondern konkret, was bei Verzug passiert: Verzugszinsen, und bei größeren Projekten eine Regelung zu Teilzahlungen, zum Beispiel ein Anteil bei Auftragsstart, der Rest bei Ablieferung. Der Anteil bei Auftragsstart war für mich am Anfang unangenehm, sich das bei einem neuen Kunden zu trauen, hat sich aber bezahlt gemacht: es filtert unbewusst schon Kunden raus, die es mit der Zusammenarbeit nicht ernst meinen, und es reduziert dein finanzielles Risiko bei einem Projekt, das doch nicht zustande kommt oder abgebrochen wird.
Was viele vergessen, in den Vertrag zu schreiben: was passiert, wenn ein Kunde ein Projekt mittendrin abbricht. Ohne klare Regelung stehst du sonst mit bereits investierter Arbeitszeit da, für die es keine vertragliche Grundlage zur Bezahlung gibt.
3. Eine realistische Haftungsbeschränkung
Als Einzelunternehmer haftest du grundsätzlich mit deinem kompletten Vermögen, dazu hatte ich im ersten Artikel und im Rechtsformen-Vergleich schon geschrieben. Eine Haftungsbeschränkung im Vertrag kann diese Haftung für leichte Fahrlässigkeit auf einen angemessenen, vorhersehbaren Schaden begrenzen, meistens gekoppelt an die Höhe des Auftragswerts oder eine feste Summe. Für Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit lässt sich die Haftung rechtlich ohnehin nicht wirksam ausschließen, das würde jede seriöse Klausel auch gar nicht versuchen.
Diese Klausel hab ich bisher zum Glück nie gebraucht, aber allein das Gefühl, dass mein Risiko bei einem Fehler nicht unbegrenzt ist, sondern auf eine kalkulierbare Summe gedeckelt, war mir die paar Zeilen im Vertrag wert. In Kombination mit einer Berufshaftpflicht (aus der 90-Tage-Checkliste) fühlt sich das Restrisiko für mich handhabbar an.
Was ich bewusst nicht überbewerte
Es gibt unzählige weitere Klauseln, die in Muster-Verträgen auftauchen, Gerichtsstand, salvatorische Klausel, Geheimhaltung, Wettbewerbsverbote. Die hab ich teilweise auch drin, aber sie waren in der Praxis bisher nie der entscheidende Punkt. Die drei oben sind die, bei denen ich im Nachhinein sagen kann: die haben tatsächlich einen konkreten Unterschied gemacht oder hätten ihn gemacht, wenn's drauf angekommen wäre.
Woher der Vertrag kommt
Ich arbeite mit einer Vorlage, die ursprünglich von einem Anwalt für mich aufgesetzt wurde, einmalig, keine laufenden Kosten. Diese einmalige Investition würde ich jedem empfehlen, der öfter Projekte mit spürbarem finanziellen Risiko macht, gerade weil genau diese drei Klauseln sauber formuliert sein müssen, um im Ernstfall wirklich zu halten. Ein aus dem Internet kopiertes Muster ist besser als gar kein Vertrag, aber die Feinheiten, die im Streitfall zählen, bekommt man selten aus einer kostenlosen Vorlage allein hin.