Rechtsformen im Vergleich: Was passt zu dir
Eine Frage, die mir tatsächlich ein befreundeter angehender Gründer letztens gestellt hat: "Reicht bei dir eigentlich einfach Einzelunternehmen, oder hättest du auch eine UG gebraucht?" Ich musste kurz überlegen, weil ich die Entscheidung damals eher aus dem Bauch heraus getroffen hatte, nicht weil ich alle Optionen wirklich durchgerechnet hätte. Im Nachhinein war's die richtige Wahl für mich, aber nicht automatisch für jeden. Hier die vier Rechtsformen, über die ich mir tatsächlich Gedanken gemacht habe, bevor ich mich für die einfachste entschieden hab.
Einzelunternehmen: der Standard-Einstieg
Das bin ich geworden, ohne es aktiv als "Rechtsform" zu wählen, es passiert einfach automatisch, wenn du dich als Einzelperson beim Gewerbeamt oder Finanzamt anmeldest (dazu die ersten beiden Artikel). Kein zusätzlicher Behördengang, kein Startkapital nötig, keine Notarkosten.
Der Haken, den ich mir bewusst gemacht habe, bevor ich loslegte: Du haftest mit deinem kompletten Privatvermögen, nicht nur mit dem, was im Geschäft steckt. Für mich als Webentwickler ohne große Investitionsgüter oder riskante Geschäfte war das ein überschaubares Risiko, ich hab trotzdem eine Berufshaftpflicht abgeschlossen, um das größte Restrisiko abzudecken (stand im 90-Tage-Artikel).
GbR: wenn ihr zu zweit oder mehreren startet
Ich hatte kurz überlegt, mit einem befreundeten Designer zusammen eine GbR zu gründen, für ein gemeinsames Projekt. Am Ende haben wir uns dagegen entschieden und stattdessen einzeln fakturiert, aber ich hab mich damals ordentlich eingelesen.
Die GbR ist im Grunde die "Einzelunternehmen-Variante für mehrere Personen": formlos gründbar, kein Mindestkapital, geringer bürokratischer Aufwand. Seit der Reform durch das MoPeG zum 1. Januar 2024 gibt es zusätzlich ein freiwilliges Gesellschaftsregister, in das ihr euch als "eGbR" eintragen lassen könnt. Verpflichtend ist das nicht, außer ihr wollt zum Beispiel als GbR eine Immobilie erwerben oder euch an einer Umwandlung beteiligen, dann geht's nicht mehr ohne.
Der wichtigste Punkt bei der Haftung: Alle Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch, also auch für Fehler, die der andere gemacht hat, mit dem vollen Privatvermögen. Das war für mich am Ende der Grund, warum wir es gelassen haben, so gut ich meinen Freund auch kenne, dieses Risiko wollte ich nicht eingehen für ein einzelnes Projekt. Wer eine GbR gründet, sollte unbedingt einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag aufsetzen, auch wenn das Gesetz das nicht zwingend verlangt, sonst gelten im Streitfall nur die gesetzlichen Grundregeln, die selten zu eurer tatsächlichen Aufteilung passen.
UG (haftungsbeschränkt): die "Mini-GmbH"
Die UG hatte ich mir angeschaut, weil sie mit Stammkapital ab 1 Euro gegründet werden kann, deutlich weniger als die GmbH. Klingt verlockend, hat aber einen Haken, der einem am Anfang oft nicht klar ist: Du musst jährlich mindestens 25 % deines Gewinns als Rücklage einbehalten, bis du die 25.000 Euro Stammkapital einer vollwertigen GmbH erreicht hast. Das Geld steht dir also nicht frei zur Verfügung.
Dazu kommt: Eine UG ist eine Kapitalgesellschaft, das heißt Eintragung ins Handelsregister, Notar bei der Gründung, doppelte Buchführung mit Bilanzierung von Anfang an (unabhängig von deiner Umsatzhöhe, anders als beim Einzelunternehmen), und du zahlst Körperschaftsteuer plus Gewerbesteuer statt Einkommensteuer. Der Vorteil im Gegenzug: Du haftest nur mit dem Gesellschaftsvermögen, nicht privat. Für mich als Solo-Entwickler ohne große Haftungsrisiken hätte sich der Mehraufwand nicht gelohnt, für jemanden mit einem Geschäftsmodell, das größere finanzielle Risiken birgt (z.B. Warenlager, größere Verträge, Mitarbeiter von Anfang an), kann die UG dagegen genau der richtige Kompromiss sein.
GmbH: wenn Haftungsschutz von Anfang an Priorität hat
Die "große Schwester" der UG, mit 25.000 Euro Stammkapital, wovon du bei der Gründung mindestens die Hälfte (12.500 Euro) tatsächlich einzahlen musst. Notar, Handelsregistereintrag und doppelte Buchführung gehören auch hier dazu, dafür ist die Haftungsbeschränkung von Anfang an vollständig da, ohne die Ansparpflicht der UG.
Für mich als Einzelperson mit überschaubarem Kapitalbedarf am Anfang war das schlicht nicht der richtige Einstieg, das Startkapital allein hätte einen Großteil meiner Ersparnisse gebunden. Falls du planst, größere Investitionen zu stemmen, Kredite aufzunehmen oder von Anfang an mit Investoren zu sprechen, sieht die Rechnung anders aus, dann ist eine GmbH oft die Rechtsform, die Banken und Investoren ohnehin erwarten.
Was bei der Entscheidung wirklich zählt
Aus meiner Sicht sind das die vier Fragen, die die Entscheidung eigentlich treiben:
- Wie hoch ist dein Haftungsrisiko? Je größer das Risiko, dass mal richtig was schiefgeht (finanziell), desto eher lohnt sich eine Kapitalgesellschaft
- Startest du allein oder mit anderen? Bei mehreren Personen ist die GbR oft der pragmatischste Einstieg, wenn keiner von euch ein Kapitalgesellschaft-Setup will
- Wie viel Verwaltungsaufwand willst du am Anfang stemmen? Einzelunternehmen und GbR sind mit Abstand am unkompliziertesten, UG und GmbH bringen Buchführungspflicht und Notarkosten von Tag eins mit
- Brauchst du von Anfang an Kapital von außen? Wenn ja, spricht das eher für eine GmbH, weil Banken und Investoren damit vertrauter sind
Meine Entscheidung im Rückblick
Ich bin beim Einzelunternehmen geblieben und würde es aus heutiger Sicht wieder so machen, mein Geschäftsrisiko ist einfach zu gering, um den Mehraufwand von UG oder GmbH zu rechtfertigen. Sollte sich das mal ändern, größere Projekte, mehr Kapitalbedarf, vielleicht ein Mitgründer, würde ich die Entscheidung neu treffen. Rechtsform ist keine Einbahnstraße, ein Wechsel später ist möglich, aber eben mit Aufwand verbunden, deswegen lohnt sich die Überlegung am Anfang, auch wenn's verlockend ist, einfach den unkompliziertesten Weg zu nehmen, ohne kurz drüber nachzudenken.