Projekte verwalten als Ein-Personen-Unternehmen
Im Tool-Stack-Artikel hatte ich schon kurz erwähnt, dass ich von Notion auf ein einfacheres Board-System umgestiegen bin. Was ich da nicht ausgeführt hatte: warum genau, und was sich dadurch an meinem eigentlichen Arbeitsalltag verändert hat. Projektverwaltung als Einzelperson ist ein anderes Problem als im Team, und die meisten Tools und Ratgeber sind nicht dafür gebaut.
Warum Team-Tools für eine Person meistens die falsche Wahl sind
Notion, Asana, ClickUp, die meisten dieser Tools sind ursprünglich für Teams gedacht, mit Zuweisungen, Freigabeprozessen, mehreren Ansichten für unterschiedliche Rollen. Als Einzelperson brauchst du nichts davon. Ich hab drei Wochen investiert, um mir ein Notion-System mit Datenbanken, Relationen und Filtern zu bauen, das theoretisch beeindruckend aussah, praktisch aber nie richtig genutzt wurde, weil mir jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt anlegen wollte, der Aufwand zu groß war.
Das eigentliche Problem: ich hatte ein System für ein Team gebaut, das aus einer Person besteht. Die Fragen, die ein Team-Tool beantworten will (wer macht was, wer muss informiert werden, wer genehmigt was), stellen sich bei dir gar nicht.
Was ich stattdessen brauche
Runtergebrochen auf das, was ich als Einzelperson tatsächlich täglich verwende:
- Eine Übersicht aktiver Projekte, mit Status (läuft, wartet auf Kunde, abgeschlossen), mehr Kategorien brauche ich nicht
- Eine Deadline pro Projekt, sichtbar, ohne dass ich in Unterprojekte oder Meilensteine reinklicken muss
- Notizen pro Projekt, an einem Ort, statt verstreut in E-Mails, Chat-Verläufen und losen Dokumenten
- Eine Verbindung zu Kontakten, damit ich beim Blick auf ein Projekt sofort sehe, wer der Ansprechpartner ist, ohne separat zu suchen
Das ist im Grunde ein simples Kanban-Board mit drei bis vier Spalten, plus eine Notizfläche pro Karte. Kein Gantt-Chart, keine Abhängigkeiten zwischen Aufgaben, keine Team-Kapazitätsplanung. Genau das hatte mich an Notion überfordert, das Tool wollte mir ständig mehr Struktur anbieten, als ich brauchte.
Die eine Gewohnheit, die mehr gebracht hat als jedes Tool
Ehrlich gesagt war der größere Hebel gar nicht das Tool selbst, sondern eine feste Routine: einmal am Montagmorgen kurz durch alle aktiven Projekte gehen, Status aktualisieren, checken, wo ich diese Woche dran muss. Zehn Minuten, aber die haben mir mehr Übersicht gebracht als jedes ausgefeilte System, das ich vorher hatte und trotzdem nie konsequent gepflegt hab.
Wann sich mehr Struktur doch lohnt
Nicht jeder ist mit einem simplen Board fertig. Wenn du regelmäßig mit Unterauftragnehmern oder freien Mitarbeitern zusammenarbeitest, auch als Solo-Unternehmer, kann ein Tool mit echter Aufgabenzuweisung und Freigabeprozessen wieder sinnvoll werden, dann bist du im Grunde doch ein kleines Team, auch wenn du formal allein bist. Für die reine Ein-Personen-Selbstständigkeit ohne feste Zulieferer würde ich aber erstmal klein anfangen und nur dann mehr Struktur hinzufügen, wenn ein konkretes Problem auftaucht, nicht auf Vorrat.
Was ich rückblickend gleich so gemacht hätte
Ich hätte mir die drei Wochen Notion-Einrichtung gespart und gleich mit dem simpelsten Board angefangen, das ich finden konnte. Der Impuls, sich am Anfang ein möglichst durchdachtes System aufzubauen, ist verständlich, aber bei nur einer Person, die es pflegt, ist die Einfachheit selbst das Feature, nicht ein Kompromiss.