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Website für Freelancer: Baukasten, WordPress oder doch selbst bauen?

Ehrliche Ansage vorweg: ich bin selbst Webentwickler, insofern liegt die Vermutung nahe, dass ich hier einfach sage "bau's selbst, alles andere ist Zeitverschwendung". Mach ich nicht, weil das für die meisten, die diesen Artikel lesen, schlicht nicht realistisch ist. Stattdessen die ehrliche Abwägung, wie ich sie auch Freunden gebe, die mich fragen, ohne selbst programmieren zu können.

Baukasten (Wix, Squarespace, Jimdo): der pragmatische Standardweg

Für die meisten Freelancer am Anfang ist ein Baukasten schlicht die vernünftigste Wahl. Du bekommst in wenigen Stunden eine Seite online, die professionell aussieht, ohne dass du dich mit Hosting, Sicherheitsupdates oder Serverkonfiguration beschäftigen musst. Die monatlichen Kosten liegen meistens zwischen 10 und 25 Euro, klar kalkulierbar.

Der Nachteil, den viele erst später merken: du bist an den Anbieter gebunden. Ein Umzug zu einem anderen System ist bei Baukästen deutlich aufwändiger als bei offeneren Systemen, weil dein Content oft nicht sauber exportierbar ist. Für den Start ist das meistens kein Problem, aber wenn deine Seite in zwei Jahren wächst und du mehr Kontrolle brauchst, kann's unangenehm werden.

Mein Rat: für den Einstieg völlig legitim, gerade wenn deine Zeit besser in Kundenprojekte als in Webseiten-Bastelei investiert ist. Schau bei der Auswahl vor allem auf SEO-Grundfunktionen (eigene Meta-Titel und Beschreibungen pro Seite einstellbar, saubere URLs), viele Baukästen sind da unterschiedlich gut aufgestellt.

WordPress: mehr Kontrolle, aber auch mehr Verantwortung

WordPress ist quasi der Mittelweg, du hast deutlich mehr Freiheit als bei einem Baukasten, brauchst aber auch mehr Wissen oder musst dir das aneignen. Hosting suchst du dir selbst (bei mir persönlich läuft privater Code auf All-Inkl, für eine reine WordPress-Seite reicht meistens ein einfaches Webhosting-Paket, kein eigener Server nötig), Plugins für Formulare, SEO oder Sicherheit kommen dazu.

Was viele unterschätzen: WordPress-Wartung ist keine einmalige Sache. Updates für Kern, Theme und Plugins müssen regelmäßig eingespielt werden, sonst wird die Seite zum Sicherheitsrisiko. Wenn du das nicht selbst machen willst, brauchst du entweder einen Wartungsvertrag mit einer Agentur oder ein Managed-WordPress-Hosting, das einen Teil davon automatisiert, beides kostet zusätzlich.

Für wen sich das lohnt: wenn du technisch nicht komplett unbedarft bist, dir zutraust, dich in ein System einzuarbeiten, und langfristig mehr Kontrolle über Design und Funktionen willst als ein Baukasten bietet.

Selbst bauen (oder bauen lassen): wenn's wirklich zu deiner Marke passt

Der teuerste und aufwändigste Weg, aber auch der mit dem größten Gestaltungsspielraum. Für mich als Entwickler natürlich die naheliegende Option für die eigene Seite, aber selbst ich würde das niemandem pauschal empfehlen, der nicht selbst bauen kann oder ein wirklich klares Bild davon hat, was er von einer Standardlösung nicht bekommt.

Wann sich das trotzdem lohnt: wenn deine Website mehr sein soll als eine digitale Visitenkarte, zum Beispiel mit einem eigenen Buchungssystem, einer Kalkulations-Funktion für Kunden oder einer engen Anbindung an dein CRM. Für die klassische Freelancer-Website mit Portfolio, Leistungen und Kontaktformular ist der Mehraufwand dagegen selten gerechtfertigt.

KI-gestützt selbst bauen: der vierte Weg, der dazugekommen ist

Als ich vor ein paar Jahren angefangen hab, war "selbst bauen" gleichbedeutend mit "kannst du programmieren oder nicht". Das stimmt inzwischen nicht mehr ganz. Ich nutze für eigene Projekte mittlerweile selbst KI-Coding-Tools wie Claude Code, bei denen ich in normaler Sprache beschreibe, was ich haben will, und das Tool schreibt den Code dafür, inklusive Nachfragen, wenn was unklar ist.

Für eine Freelancer-Website heißt das konkret: du kannst dir tatsächlich eine individuelle Seite bauen lassen, ohne selbst Programmierer zu sein, in einem Bruchteil der Zeit, die klassisches Handcoding braucht. Ganz ohne technisches Verständnis geht's aber trotzdem nicht: Hosting einrichten, eine Domain verbinden, verstehen, was das Tool da eigentlich gebaut hat, wenn mal was nicht funktioniert, das bleibt hängen. Es ist kein Baukasten-Ersatz im Sinne von "null Aufwand", eher ein Mittelweg, der dir die Kontrolle von "selbst bauen" gibt, ohne dass du das Handwerk von Grund auf lernen musst.

Für wen sich das lohnt: wenn du technikaffin bist, dir zutraust, dich mit Hosting und ein bisschen Fehlersuche auseinanderzusetzen, aber nicht Monate ins Programmieren-Lernen investieren willst. Für alle, die davor komplett zurückschrecken, bleibt der Baukasten nach wie vor der entspanntere Einstieg.

Was bei mir am Ende den Ausschlag gab

Für meine eigene Seite war die Entscheidung einfach, ich baue sie ja beruflich sowieso, mittlerweile mit deutlich mehr KI-Unterstützung im Prozess als noch vor ein paar Jahren. Für die meisten, die mich fragen, empfehle ich trotzdem: erstmal mit einem Baukasten starten, live gehen, echte Anfragen sammeln, und erst wenn du merkst, wo dich das System wirklich einschränkt, über einen Wechsel zu WordPress, KI-gestütztem Bauen oder einer klassisch entwickelten Lösung nachdenken. Der größte Fehler, den ich bei anderen Freelancern beobachtet habe: monatelang an der "perfekten" Website arbeiten, bevor überhaupt ein einziger Kunde sie gesehen hat. Eine einfache Seite, die online ist, bringt dir mehr als eine perfekte, die es noch nicht ist.

Website für Freelancer: Baukasten, WordPress oder KI bauen? – startklar.tools