Geschäftskonto-Vergleich: Qonto vs. N26 Business vs. Kontist
Im ersten Artikel hatte ich schon erwähnt, dass ich mir zu spät ein separates Geschäftskonto zugelegt habe. Als ich mich dann endlich hingesetzt habe, um eins auszusuchen, saß ich erstmal vor einer Wand aus Vergleichsseiten, die alle irgendwie das gleiche behaupten: "Der beste Anbieter für Selbstständige." Am Ende hab ich drei Kandidaten wirklich verglichen, statt der zehnten Liste zu vertrauen. Hier ist, was dabei rauskam.
Qonto: das, für das ich mich entschieden habe
Qonto* hat mich vor allem wegen der Skalierbarkeit überzeugt. Seit April 2026 gibt es mit Qonto Starter eine dauerhaft kostenlose Variante speziell für Freiberufler und Einzelunternehmer.
Darüber liegen Basic (9 €/Monat), Smart (19 €/Monat) und Premium (39 €/Monat), alle Preise netto. Wenn du mal ein Team aufbaust, gibt's mit Essential, Business und Enterprise auch eine eigene Team-Linie, die bis 199 € im Monat geht.
Was für mich am Ende den Ausschlag gab: Qonto ist DATEV-zertifiziert und pusht Bankdaten automatisch ins Rechenzentrum meines Steuerberaters. Ich musste am Ende des Monats nichts mehr manuell exportieren oder hochladen, das läuft einfach im Hintergrund. Dazu kommen Rechnungsstellung und Ausgabenverwaltung direkt im Konto, was mir das Buchhaltungstool aus dem nächsten Artikel schon vor entlastet hat.
Was mich am Anfang gestört hat: der kostenlose Starter-Tarif gab's bei meiner Anmeldung noch nicht, ich bin direkt mit Basic gestartet. Rückblickend hätte ich vermutlich mit Starter anfangen und erst später upgraden können, jetzt, wo es die Option gibt, würde ich das definitiv so machen.
N26 Business: am günstigsten, aber schmal im Funktionsumfang
N26 Business hatte ich mir auch angeschaut, hauptsächlich wegen des Preises. Vier Tarife: Standard kostenlos, Smart für 4,90 €, Go für 9,90 € und Metal für 16,90 € im Monat. Für den reinen Kontopreis ist das kaum zu schlagen.
Der Haken: N26 Business steht nur Freiberuflern und Einzelunternehmern offen, die unter ihrem eigenen Namen abrechnen, keine GmbH, keine UG (es gibt seit Kurzem ein "Small Business"-Angebot in früher Testphase, aber nur mit Warteliste und nur für bestehende N26-Kunden). Und es gibt schlicht keine eingebaute Rechnungsstellung, keine DATEV-Anbindung, nichts davon. Du bekommst ein sehr solides, sehr mobiles Bankkonto mit Cashback-Programm, aber alles rund um Buchhaltung musst du dir woanders zusammensuchen.
Für jemanden, der eh schon ein Buchhaltungstool hat und einfach nur ein günstiges, zuverlässiges Konto daneben braucht, ist das eine faire Wahl. Für mich, der die Verwaltung möglichst an einer Stelle bündeln wollte, war's zu wenig.
Kontist: die automatische Steuerrücklage, die ich mir im Nachhinein gewünscht hätte
Kontist hatte ich am Anfang unterschätzt, weil ich dachte, das sei nur eine kleinere Version von Qonto. Ist es nicht ganz. Kontists Alleinstellungsmerkmal ist die automatische Echtzeit-Steuerrücklage: bei jedem Zahlungseingang berechnet das Konto direkt, wie viel Einkommensteuer und Umsatzsteuer fällig werden dürfte, und legt den Betrag rechnerisch beiseite. Auf dem Hauptkonto siehst du dann nur noch das Geld, das dir tatsächlich bleibt.
Genau das ist die Automatisierung, die ich mir im zweiten Monat selbst mühsam per Dauerauftrag nachgebaut habe (stand im Artikel zur 90-Tage-Checkliste). Hätte ich von Kontist gewusst, bevor ich mich für Qonto entschieden hatte, wäre das ein ernsthafter Punkt für Kontist gewesen.
Die drei Tarife: Free (0 €, allerdings mit einer Falle: unter 300 € Monatsumsatz werden 2 € Inaktivitätsgebühr fällig), Start (11 €/Monat) und Plus (25 €/Monat). Der volle DATEV-Export mit USt-Voranmeldung gibt's erst ab Plus, ein einfacher Export schon ab Start. Seit der Übernahme durch die Société-Générale-Tochter Shine akzeptiert Kontist inzwischen übrigens alle Rechtsformen, nicht mehr nur Freiberufler und Einzelunternehmer wie früher.
Ein Nachteil, der mir aufgefallen ist: echte Unterkonten mit eigener IBAN gibt's bei Kontist praktisch nicht, die "Unterkonten" sind nur visuelle Steuertöpfe. Wenn du zum Beispiel Projektgelder separat von Rücklagen auf eigenen IBANs verwalten willst, bist du bei Qonto oder Finom flexibler aufgestellt.
Für wen was passt
- Qonto – wenn du Buchhaltung, DATEV-Anbindung und Rechnungsstellung an einer Stelle bündeln willst und eventuell später wächst
- N26 Business – wenn du schon ein Buchhaltungstool hast und einfach nur ein günstiges, mobiles Konto daneben brauchst
- Kontist – wenn dir das Zurücklegen von Steuerrücklagen schwerfällt und du dir das lieber automatisch abnehmen lässt, gerade am Anfang, wenn Einnahmen unregelmäßig reinkommen
Was ich im Nachhinein denke
Ich bin bei Qonto geblieben und bereue es nicht, aber ich würde die Entscheidung heute bewusster treffen als damals, wo ich mich am Ende hauptsächlich für die DATEV-Anbindung entschieden habe, ohne die Steuerrücklagen-Funktion von Kontist überhaupt auf dem Schirm gehabt zu haben. Wenn du gerade erst am Anfang stehst und öfter unregelmäßige Zahlungseingänge hast, würde ich Kontist zumindest ernsthaft gegen Qonto gegenrechnen, bevor du dich festlegst.
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